Unter Transvestitismus wird das Tragen der Bekleidung eines anderen Geschlechts als Ausdruck der eigenen Geschlechtsidentität verstanden. Transvestitismus ist unabhängig von der sexuellen Orientierung und keine spezifisch homosexuelle Erscheinung.
Geschichte
Transvestitismus (lat. trans= hinüber vestire= kleiden) ist ein von Magnus Hirschfeld 1910 geprägter Begriff. Er beschrieb damit alle Menschen, die, gleich aus welchen Gründen, freiwillig Kleidung trugen, welche üblicherweise von dem Geschlecht, dem sie körperlich zugeordnet waren, nicht getragen wurde; und zwar sowohl Männer als auch Frauen. Heute entspricht dieser Begriff am ehesten dem Begriff Transgender.
Unterschiedliche Formen des Transvestitismus
Cross-Dressing
Das Tragen von Kleidung eines anderen Geschlechts in der Öffentlichkeit oder privat. Üblicherweise nicht in übertriebener Form wie beim Drag. Transvestitismus im engeren Sinne. Meist im Sinne von Cross-Dressing gebraucht, oder als Beschreibung von Cross-Dressing plus sexueller Befriedigung durch Cross-Dressing.
Drag
Zu unterscheiden ist hier zwischen Drag Queens und Drag Kings: Drag Queens sind anatomische Männer, die Frauen in einer extrem überzeichneten Weise darstellen. Drag Kings hingegen wird häufig für alle Menschen mit einem weiblichen Körper, die in irgendeiner Form Männlichkeit darstellen, benutzt. Dies schließt das gesamte Spektrum des Transvestitismus und einen großen Teil des Transgender-Spektrums ein.
Travestie
Überzeichnete Darstellung von Rollen oder Personen eines Geschlechts durch Mitglieder eines anderen Geschlechts. Davon abgeleitet auch überzeichnete oder misslungene Darstellungen von Dingen. Anders als die vier oben genannten Begriffe meist nicht zum Transgender-Spektrum gerechnet wird.
Transvestitischer Fetischismus
Fetischismus, der auf die Bekleidung oder Bekleidungsstücke eines anderen Geschlechts gerichtet ist. In der ICD-10 wird Transvestitischer Fetischismus unter dem Code F65.1 (Störung der Sexualpräferenz) geführt.
Üblicherweise besteht bei all diesen Formen (außer unter Umständen bei Drag Kings) nicht der Wunsch nach einem vollständigen Wechsel der Geschlechtsrolle, die Übergänge dazu, ebenso wie die Übergänge zwischen den obengenannten Formen, sind aber in der Praxis sehr fließend.
Insbesondere ist es nicht selten, dass der Wunsch nach einem vollständigen Geschlechtsrollenwechsel durch intensives Cross-Dressing für lange Zeit kompensiert werden kann, ehe dieser durchbricht und nicht mehr kompensiert werden kann, und ein vollständiger Wechsel der Geschlechtsrolle angestrebt wird.
Rollen- und Namenstransvestitismus
Bei einigen Transvestiten ist der Fetisch im Hintergrund und sie fühlen sich TEMPORÄR wohl in der entgegengesetzten Geschlechtsrolle. Sie wollen in dieser Zeit auch im Gegengeschlecht wahrgenommen und behandelt werden. Kennzeichnend ist bei dieser Variante, daß es selten zu Rollenüberzeichnungen kommt. Natürlichkeit wird angestrebt. Dennoch nicht der komplette Wechsel wie bei der Transsexualität, sondern nur temporär. Es besteht jedoch eine Grauzone und eine Schnittmenge hin zur Transsexualität. Viele dieser Transvestiten “werden” später transsexuell.
Diese Variante des Transvestitismus ist weitgehend unabhängig von der sexuellen Präferenz; im Gegenteil sind die meisten dieser Transvestiten heterosxuell veranlagt. Oft leben sie ihr zweites Dasein heimlich aus, ohne daß ihre Partnerin etwas davon mitbekommt. Es bestehen häufig Scham und Schuldgefühle.